Despoten vor Europas Haustür

05.10.2006 | Hamburg
Warum der Sicherheitswahn den Extremismus schürt

Die HAMBURGER STIFTUNG für politisch Verfolgte, die Hamburger Gesellschaft zur Förderung der Demokratie und des Völkerrechts e.V. und die HanseMerkur Versicherungsgruppe laden ein zu einem besonderen Abend zum Thema "Maghreb" am Donnerstag, dem 12. Oktober 2006 um 19.00 Uhr im Atrium der HanseMerkur Versicherungsgruppe, Siegfried-Wedells-Platz 1, 20352 Hamburg

Sihem Bensedrine - Journalistin aus Tunesien und von 2002-2005 Gast der HAMBURGER STIFTUNG für politische Verfolgte liest aus ihrem Buch L"Europe et ses despotes, das ein leidenschaftliches Plädoyer gegen eine verheerende EU-Nordafrikapolitik ist. Marina Wandruszka (Schauspielerin) trägt den deutschen Text vor.

Prof. Udo Steinbach - Leiter des Deutschen Orient-Instituts - analysiert die politische Lage im Maghreb

An Lesung und Vortrag (Eintritt frei) schließt sich ein Imbiss an.

Despoten vor Europas Haustür. Warum der Sicherheitswahn den Extremismus schürt (224 Seiten, 16,90 Euro, ISBN 3-88897-397-X; Verlag Antje Kunstmann) ist das zweite Buch der tunesischen Menschenrechtsaktivistin Sihem Bensedrine. Zusammen mit ihrem Mann Omar Mestiri untersucht sie, was aus der Barcelona-Erklärung der Europäischen Union von 1995 geworden ist, nämlich Freiheit und Demokratie und damit Menschenrechte und Wirtschaft der arabischen Mittelmeeranrainer-Staaten zu fördern. Dabei geraten Tunesien, "das ,Modell" einer Diktatur mit demokratischer Fassade", Marokko, "eine autoritäre Monarchie mit liberaler Fassade", Algerien, "eine Folterdemokratie" und die wundersame Wandlung Libyens, "vom "Schurkenstaat" zum umworbenen Partner", in ihren Fokus. Bensedrines ernüchterndes Fazit: "Wir sehen (...), dass ein von Sicherheitsfragen besessenes Europa behauptet, es strebe eine gemeinsame Zukunft mit den südlichen Anrainern des Mittelmeers an. Dabei unterstützt es bevorzugt korrupte Diktatoren und überträgt ihnen sicherheitspolitische Aufgaben. (...) In all diesen Ländern wird als Erstes auf den Kampf gegen den Terrorismus verwiesen, wenn man das Fehlen rechtsstaatlicher Prinzipien und die Einschränkung von Freiheitsrechten rechtfertigen will. Und das Verhalten der europäischen Länder stützt diese Argumentation. Im Namen der Demokratie kommen beide Seiten schließlich überein, den arabischen Bürgern ihre Rechte zu verweigern. Und sehen dabei nicht, dass sie den Terrorismus fördern, den sie angeblich doch bekämpfen wollen".

Sihem Bensedrine und Omar Mestiri sind als zentrale Figuren des demokratischen Widerstands in Tunesien gegen die Diktatur Ben Alis seit Jahren vielfältigen Repressionen ausgesetzt. Sihem Bensedrine wurde 2001 nach Publikationen über Korruption und Folter inhaftiert. Im Jahre 2002 erhielt sie den Johann Philipp Palm-Preis für Meinungs- und Pressefreiheit. Die Journalistin, die sich heute als Stipendiatin des PEN Clubs in Deutschland aufhält, war von 2002 bis 2005 Gast der HAMBURGER STIFTUNG für politisch Verfolgte und konnte so im Juni 2005 ihr erstes Buch, "Besiegte Befreite. Eine arabische Journalistin erlebt den Irak", im Atrium der HanseMerkur Versicherungsgruppe vorstellen. Sihem Bensedrine gibt von Hamburg aus die freie, regierungsunabhängige Online-Zeitung "Kalimatunesie" (Das Wort Tunesiens) heraus.

Prof. Dr. Udo Steinbach studierte Islamkunde und Klassische Philologie an den Universitäten Freiburg i. Br. und Basel und war von 1971 bis 1975 Leiter des Nahostreferats der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP). Im Jahre 1975 stand er der türkischen Redaktion der Deutschen Welle vor, bis er im Jahre 1976 zum Deutschen Orient-Institut nach Hamburg wechselte, einem Leibniz-Institut für Globale und Regionale Studien. Prof. Steinbach ist Direktor dieser Forschungseinrichtung.

Die HAMBURGER STIFTUNG für politisch Verfolgte lädt seit 20 Jahren Menschen, die sich für Demokratie und Freiheit in ihren Ländern einsetzen und deswegen verfolgt werden, für ein Jahr nach Hamburg ein. Insgesamt 84 Menschen und ihre Familienangehörigen konnten bisher in der Hansestadt frei arbeiten und wieder Mut und Kraft schöpfen. Die Stiftung wurde 1986 vom ehemaligen Hamburger Bürgermeister Dr. Klaus von Dohnanyi gegründet, der bis heute geschäftsführender Vorstand ist. Erster Vorsitzender ist der Präses des Hamburger Senats, Ole von Beust.

Die Hamburger Gesellschaft zur Förderung der Demokratie und des Völkerrechts e.V. ist eine im Jahr 2004 vom Hamburger Reeder Peter Krämer ins Leben gerufene Stiftung und fühlt sich den Zielen der UN-Charta verpflichtet. Zu ihren Gründungsmitgliedern zählt u.a. der ehemalige Hamburger Bürgermeister Dr. Henning Voscherau. Neben der Durchführung von Studien und Veranstaltungen engagiert sich die Hamburger Gesellschaft derzeit gemeinsam mit UNICEF und der Nelson Mandela Stiftung in der gemeinnützigen Kampagne "Schulen für Afrika". Das Ziel ist der Bau von 5.000 zusätzlichen Schulen im Land an der Südspitze des Schwarzen Kontinents.

Quelle: Pressemeldung HanseMerkur Krankenversicherung AG

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