Stroh zu Gold - Spindel, Schiffchen, Märchenhelden
Stroh zu Gold - im Märchen vom Rumpelstilzchen ist diese wundersame Verwandlung wahr geworden. Den Mythos magischer Geschichten und Figuren aus textilen Märchen greift eine neue Ausstellung auf, die der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) von Sonntag, 21. März, bis zum 31. Oktober 2010 in seinem Textilmuseum in Bocholt zeigt. Mit mehr als 250 Objekten aus dem 18. und 19. Jahrhundert setzt die Schau unter dem Titel "Stroh zu Gold" in Szene,was sich hinter den Märchen und ihren "magischen Textilien' verbirgt und wer die Helden und Heldinnen der Geschichten sind.
Das "rumpelnde Stil'chen" - war das vielleicht eine lombardische Zwirnmühle für golden schimmerndes Brokatgarn? So lautet zumindest die Meinung des Historikers Prof. Franz Irsigler. Im hohen Mittelalter war die aus Italien stammende Mühle im süddeutschen Raum verbreitet und die Produktion des Garns ein wohl gehütetes Geheimnis - ganz wie der Name des mysteriösen Männchens im Märchen. "Diese Episode zeigt, wie Märchen und ihre Protagonisten historisch gedeutet werden können", erläuterte LWL-Museumsleiter Dr. Hermann Josef Stenkamp am Donnerstag (18.3.) bei der Vorstellung der Ausstellung in Bocholt.
Arbeitsgeräte wie Spinnrad, Spindel, Webstuhl, Schneidertisch und Zwirnmühle geben einen Eindruck von den textilen Arbeiten, die in den Geschichten beschrieben werden. Bücher des 19. Jahrhunderts zeigen Holzstiche aus der Märchenwelt der Brüder Grimm und des Wilhelm Hauff. Ausgestellt werden außerdem 60 Jahre alte Theaterkulissen, kleinteilig in kolorierte Pappe geschnitten, sowie Märchenbilder im Jugendstil aus "Stollwerck's königlichen Schokoladentafeln" von 1906. Einen Hauch von der zauberhaften Atmosphäre orientalischer Märchen aus 1001 Nacht vermitteln Zeremonialgegenstände der Turkmenen wie Kronen, Hochzeitspantoffeln, ein Dolch mit Damastklinge sowie ein kunstvoll gearbeiteter Jurteneingang.
"Und natürlich gibt es in der Ausstellung auch viel zu hören", verspricht Stenkamp. Ganz neu eingespielt wurden bekannte Märchenerzählungen in ihren Urfassungen. "Manches wird den Besucher ganz neu im Ohr klingen. Ursprünglich wurden Märchen mündlich überliefert und unterlagen einem steten Wandel. Sie waren regional geprägt und die Erzähler dichteten nach Belieben Neues hinzu. Erst mit ihrer Veröffentlichung wurden die Märchen unverändert bis in die Gegenwart hin übergetragen", erläutert Nadine Schober, wissenschaftliche Volontärin des Museums.
An Mitmachstationen können die Besucher ihre "Heldenkräfte" oder ihre Geschicklichkeit an Spinnrad und Haspel ausprobieren. Zur Belohnung stehen märchenhafte Gewänder bereit, mit deren Hilfe die Besucher in die Märchenwelt weiter eintauchen können.
Die Schau findet begleitend zur Kulturhauptstadt-Ausstellung "Helden. Von der Sehnsucht nach dem Besonderen" statt, die der LWL in seinem Industriemuseum Henrichshütte Hattingen zeigt (12.3.-31.10.2010). Auch an seinen sechs weiteren Standorten präsentiert das LWL-Industriemuseum Begleitausstellungen zum Thema "Helden".
Quelle: Pressemeldung Landschaftsverband Westfalen-Lippe
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