Wie die Karte bunt wurde: 225 Jahre Atlanten & Kartographie aus Gotha

10.06.2010 | Stuttgart
Der Blick auf Schulwandkarten aus dem 19. Jahrhundert ist ernüchternd: Die Karten sind weiß, Erhebungen sind nur durch Striche dargestellt. Flüsse, Grenzen, Höhenlinien. für den Betrachter kaum zu unterscheiden. Heute sind Karten ganz selbstverständlich bunt und jeder kann ein Gebirge vom flachen Land, eine Stadtgrenze von einem Fluss unterscheiden.

Plastische Geländedarstellungen, topographische Farben oder Punktsignaturen - Elemente, die uns heute selbstverständlich erscheinen, waren für die Mitarbeiter des Verlagshauses von Klett-Perthes um die Jahrhundertwende nicht nur der Start in ein neues Jahrhundert, sie waren auch der Wechsel von der weißen zur bunten Kartendarstellung. Knapp 200 Jahre später, zu Beginn des 21. Jahrhunderts, wurde es schließlich möglich, die bunten Karten auch digital darzustellen.

Leichter lernen - mit bunten Karten

Ein bedeutender Abschnitt in der Geschichte des Verlages begann 1897, als Hermann Haack in den Verlag eintrat und die Entwicklung der Kartographie bei Justus Perthes fortan maßgeblich bestimmte. Unter seiner Leitung wurde ein modernes Schulwandkartenprogramm konzipiert. Vor allem die leuchtenden, auf Fernwirkung abgestimmten Farben und eine außerordentlich plastisch wirkende Geländedarstellung prägen seitdem das Bild der physischen Schulkarten.

"Auch die Schüler in der letzten Bankreihe sollten die Karte ohne Anstrengung lesen können. Hermann Haacks Farbsymbolik - Blau für das Gewässer, Grün für das Tiefland, Rot für die Städte, Braun für das Gebirge und Rotbraun für die höchsten Erhebungen - ist noch heute üblich", erklärt Ulrich Pokern, Geschäftsführer des Ernst Klett Verlages.

Vom Kupferstich …

Bereits im frühen 19. Jahrhundert hatte sich der Justus Perthes Verlag in Gotha auf kartographische Produkte spezialisiert: Adolf Stielers "Hand-Atlas über alle Theile der Erde und über das Weltgebäude" von 1816 wurde zum Inbegriff für die anerkannt gute Kartographie des Hauses. Die Kupferstichtechnik ermöglichte eine detaillierte kartographische Darstellung.

Wesentliche Grundlagen des Erfolgs dieses Handatlas waren die kritische Verarbeitung von umfangreichem Quellenmaterial und die hohe Aktualität. In "Stielers Handatlas" wurden im Unterschied zur Konkurrenz nur gesicherte Informationen aufgenommen. Jedes Kartenblatt erhielt eine ausführliche Beilage, in welcher seine Quellen dargestellt und diskutiert wurden. Unbekannte Regionen der Erde blieben weiß. Insbesondere diese weißen Flecken lenkten die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf die damals noch unerforschten Gebiete der Erde.

… bis zum Whiteboard

Mit dem 2007 veröffentlichten neuen Haack-Weltatlas führte Klett-Perthes die Gothaer Kartographie dann ins 21. Jahrhundert: Jeder gedruckte Atlas öffnet nun über Online-Links, Videos, digitale Karten und jeweils genau dazu passende Satellitenaufnahmen den Schülern die Tür zu einem facettenreichen und faszinierenden Blick auf die Welt.

Mit moderner Whiteboard-Technik werden auch Wandkarten zum interaktiven Arbeitsinstrument: Einzelne Karteninhalte lassen sich mit einem Zeichenwerkzeug hervorheben; der Kartenausschnitt kann beliebig gewählt, vergrößert oder individuell gestaltet werden; Flüsse, Städte und Gebirge beschriften Schüler bei der Leistungskontrolle jetzt direkt am Whiteboard. Von der schwarz-weißen Zeichnung mit Schraffuren über die Farbgebung bis hin zur digitalen Ansicht haben Karten und Atlanten aus Gotha eine weite Reise unternommen - und sie setzen diese Reise auch nach 225 Jahren weiter fort.

Quelle: Pressemeldung Ernst Klett Verlag GmbH

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